Pandemiegefahr durch neuartiges Grippevirus
In Mexiko tötete ein neuartiges Grippevirus, das zum Subtyp mit der Bezeichnung A/H1N1 gehört, jetzt schon etwa 150 Menschen, während mehr als 1600 Grippekranke zur Zeit in Hospitälern untersucht und behandelt werden. Auch die U.S.A. sind schon von dieser Virusinfektion betroffen und in Europa haben sich inzwischen zumindest einige Verdachtsfälle bestätigt. Die neu entdeckte Erregervariante des Typs H1N1 ist entfernt mit dem Vogelgrippevirus H5N1 verwandt und sogar Gemeinsamkeiten mit dem Erreger der “Spanischen Grippe” konnten bereits festgestellt werden. Die als spanische Grippe bekannte Infektion forderte in den Jahren 1918/1919 etwa 25 Millionen Opfer, wobei einige Experten sogar von 50 Millionen Toten sprechen. In etwas abgeschwächter Form verursachte das Virus 1977/1978 auch die russische Grippe. Die durch den Erreger A/H1N1 verursachte Grippeinfektion ist bei uns auch als sogenannte Schweinegrippe bekannt. Doch die Form des in Mexiko und den U.S.A. isolierten Erregers ist völlig neu - es handelt sich hierbei um eine Kombination von Viruselementen verschiedener Herkunft. Die amerikanische Seuchenbehörde entdeckte Erbanteile, die aus nordamerikanischen Schweinen, aus Schweinen euro-asiatischer Herkunft, aus nordamerikanischen Vögeln und vom Menschen stammen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts hatten die Fälle in den U.S.A. keinen bekannten Kontakt mit Schweinen und auch von den Fällen in Mexiko ist kein besonderer Kontakt zu Schweinen bekannt geworden. Daher ist davon auszugehen, dass das Virus in der Lage ist, sich von Mensch zu Mensch zu übertragen. Vor der bekannten H1N1-Variante schützen zwar die in dieser Saison verabreichten Impfstoffe man kann aber nicht gleichzeitig davon ausgehen, dass diese auch vor der neuartigen Virusform schützen. Nach ersten Erkenntnissen der amerikanischen Seuchenbehörde könnten im Falle von Infektionen aber die Grippemedikamente Tamiflu und Relenza wirksam sein. Die Erkrankung beginnt nach Information des Robert-Koch-Instituts mit den üblichen Grippesymptomen wie plötzlich auftretendes hohes Fieber, Husten und allgemeine Schwäche. Dazu können innerhalb weniger Stunden noch Schnupfen, Halsweh, Übelkeit mit Erbrechen und Durchfall auftreten. Bei geschwächten Menschen kann es im schlimmsten Fall nach kurzer Zeit zu einer Lungenentzündung kommen, die tödlich enden kann. Der aktuelle Erreger in Mexiko und den U.S.A. ist also nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation eine neu entstandene Variante des Erregers H1N1, der sowohl bei Menschen, als auch bei Schweinen und Vögeln vorkommen kann und der als sehr gefährlich eingestuft wird. In Mexiko-Stadt wurden als Vorsorgemaßnahme gegen eine weitere Verbreitung des Virus schon etwa 70 Prozent aller Kneipen geschlossen, während die Menschen, die unterwegs sind, zum größten Teil Atemmasken tragen. Auch Schulen und Universitäten bleiben vorübergehend geschlossen, Veranstaltungen wie Fußballspiele und Gottesdienste, bei denen größere Menschenansammlungen entstehen, wurden abgesagt. Auf Grund der Befürchtung, dass Reisende das gefährliche Virus aus Mexiko weltweit verbreiten, wächst die Angst vor einer Pandemie. Auch die deutschen Behörden nehmen die von diesem Erreger ausgehende Gefahr sehr ernst. Es gab schon eine Telefonkonferenz zwischen den Krisenstäben in den Bundesländern und dem Robert-Koch-Institut in Berlin - sobald der erste nachweislich Infizierte bei uns auftritt, soll der Notfallplan in Kraft treten, der unter anderem Kontrollen an den Flughäfen und das Verteilen von Grippemitteln wie Tamiflu an Ärzte und Polizisten vorsieht. Die Weltgesundheitsorganisation hat auf Grund der weiteren Ausbreitung der Schweinegrippe die Pandemie-Warnstufe von derzeit drei auf vier erhöht, wobei der Höchstwert auf der Warnskala Stufe sechs wäre.
Quellen:
“Influenza”, Robert-Koch-Institut (www.rki.de)
“Wie viele Menschen tötet dieser Virus noch?”, Bild News (www.bild.de), 27.04.09
“Grippevirus: Schwein, Vogel, Mensch”, Frankfurter Allgemeine (www.faz.net), 25.04.2009
”WHO erhöht Pandemie-Warnstufe”, Focus Online (www.focus.de), 28.04.2009
