Vögel mit mehr Fettreserven sind schneller unterwegs
Kleine Zugvögel müssen auf ihrem Weg von den Überwinterungs- zu den Brutgebieten, besonders nach dem Überqueren ökologischer Barrieren wie Wüsten oder Meere, längere Zwischenstopps einlegen, um ihre Fettreserven zu erneuern. Ein Forscher des Max-Planck-Instituts in Seewiesen im Landkreis Starnberg nahe München und seine italienischen Kollegen führten im Zuge einer Studie Messungen der Aufenthaltsdauer von Gartengrasmücken, einer Singvogelart, die im Sommer in ganz Europa brütet, auf einer italienischen Insel durch. Sie untersuchten dabei, welche Rolle das Gewicht und somit der Ernährungszustand der Vögel für die Dauer des Zwischenstopps spielt und stellten fest, dass dicke Vögel meist in der nächsten Nacht weiter zogen, während die Tiere mit geringerem Fettdepot durchschnittlich etwa 2 Tage pausierten. “Dicke Grasmücken müssen auf ihrer alljährlichen, strapaziösen Reise zu den Brutgebieten weniger lange Zwischenstopps einlegen, um ihre Energiereserven aufzutanken”, erklärte der Ornithologe des Max-Planck-Instituts. Zur Durchführung des Tests statteten die Wissenschaftler zehn dicke und zehn dünne Vögel, die morgens auf ihrem Weg in den Norden auf der italienischen Insel Ventotene landeten, mit temporär haftenden Radiosendern aus. In regelmäßigen Abständen kontrollierten sie dann, ob das von den Sendern ausgehende Signal noch auf der Insel zu hören war. Neun der zehn dicken Gartengrasmücken flogen aber schon in der Nacht weiter, während die dünnen Vögel im Schnitt etwa 40 Stunden auf der Insel blieben, bevor sie sich wieder auf den Weg machten. “Wir gehen davon aus, dass die meisten Vögel am gleichen Morgen auf der Insel ankamen, an dem wir sie gefangen haben”, sagte der Ornithologe. “Dicke Grasmücken warten nur auf den Einbruch der nächsten Nacht, bevor sie weiterziehen. Die Dünnen müssen hingegen warten, bis sie sich wieder ausreichende Reserven angefressen haben”. Demnach ist die Dauer eines Zwischenstopps also nicht nur von den Umweltfaktoren wie Wind- und Wetterverhältnissen abhängig, sondern auch die Fettreserven der Vögel spielen für die individuell unterschiedliche Dauer der Aufenthalte eine wesentliche Rolle. Die aus der Studie gewonnen Daten zeigen darüber hinaus, wie wichtig ökologisch intakte Rastgebiete für die Zugvögel sind, die ihnen auch genug Nahrung bieten, um ihre Energiereserven wieder aufzufüllen. Denn nur die Tiere, die über ausreichend Energie verfügen, können schnell weiter ziehen und die Brutgebiete früh genug erreichen, um sich die besten Nistplätze zu sichern.
