Bartgeiernachwuchs in österreichischem Nationalpark
In Österreich hat erstmals ein frei lebendes Bartgeierpaar Nachwuchs bekommen. Der Bartgeier ist ein Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen und zählt mit einer Flügelspannweite von fast 3 m zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt. Diese Art ist nur noch mit etwa 225 bis 250 Brutpaaren vetreten und gilt somit als einer der seltensten Greifvögel Europas. In den vergangenen Jahrzehnten kamen Bartgeier nur noch in asiatischen und afrikanischen Gebirgsregionen vor, im Alpenraum verringerte sich ihr Bestand schon ab dem 19. Jahrhundert. Gründe dafür waren einerseits der Mangel an Nahrung, da die Greifvögel auf Grund schwindender Raubtierbestände kaum Möglichkeiten hatten, Aas zu finden und andererseits wurden ihre natürlichen Lebensräume immer mehr zur Entwicklung von Kulturlandschaften genutzt. Dies führte zwangsläufig zu Konflikten zwischen Mensch und Bartgeier, die angeblich Jagd auf Lämmer und Gämsen gemacht haben sollen und daher auch als “Lämmergeier” bezeichnet und schließlich gezielt ausgerottet wurden. Die letzten Vögel dieser Art sollen 1906 in Österreich und 1913 in Italien erlegt worden sein. Seit den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts gibt es Projekte zur Wiederansiedlung des Bartgeiers im Alpenraum. Mehr als 30 europäische Zoos und Zuchtstationen beteiligten sich an der jährlichen Auswilderung von Jungvögeln und den darauf folgenden Monitoring-Programmen. Etwa 150 junge Bartgeier wurden seitdem freigelassen und sowohl in Italien als auch in Frankreich bekamen inzwischen schon einige wildlebende Brutpaare Nachwuchs. Im März diesen Jahres brütete dann erstmals nach langer Wartezeit auch im österreichischen Nationalpark Hohe Tauern, wo schon 1986 ein internationales Projekt zur Wiederansiedlung des Bartgeiers gestartet wurde, ein frei lebendes Bartgeierpaar erfolgreich. “Selbstverständlich muss man bei einem derart ambitionierten Artenschutzprojekt wie der Wiederansiedlung des mit drei Metern Flügelspannweite größten Greifvogels der Alpen auch Geduld haben und ein professionelles Projektmanagement über Jahre oder sogar Jahrzehnte durchziehen, um feststellen zu können, dass das Projekt erfolgreich ist”, erklärte der Direktor des Nationalparks. “Und mit dem ersten ‘Bartgeierbaby’ in unserem Nationalpark ist auch die Wiederansiedlung noch lange nicht abgeschlossen. Es ist ein Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und motiviert natürlich alle zum Weitermachen.”
