Krähen in Wiener Tiergarten erforscht
Im Tiergarten Schönbrunn in Wien, der 1996 mit der kaiserlichen Sommerresidenz zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde und der älteste noch bestehende Tiergarten der Welt ist, leben mehr als 500, zum Teil bedrohte Tierarten. Unter anderem leben hier auch zahlreiche Krähen als ungebetene Gäste, von denen jetzt 80 Vögel zu Forschungszwecken eingefangen werden sollen. Die Krähen, die als sehr intelligent gelten, bedienen sich im Tiergarten Schönbrunn am Futter der Zootiere, lassen sich von Besuchern füttern und durchstöbern auch Müllsäcke nach Nahrung. Auf Grund des reichhaltigen Nahrungsangebotes bietet der Schönbrunner Schlosspark ihnen einen optimalen Lebensraum, den die Vögel das ganze Jahr über bevölkern. Doch die Krähen bringen auch Nachteile mit sich, denn sie stören die Zootiere nicht nur beim Fressen sondern vor allem bei der Aufzucht der Jungtiere. Unter der Leitung eines renommierten Rabenforschers untersuchen zwei Studentinnen der Universität Wien im Rahmen ihrer Diplomarbeiten, wie schnell die Vögel neue Nahrungsquellen erschließen, inwieweit sie sich neue Techniken voneinander abschauen und ob sie besondere Verhaltensweisen, die speziell ihrer Umgebung im Tiergarten angepasst sind, entwickelt haben. Dazu werden in den nächsten Monaten 80 Tiere auf schonende Weise gefangen, fotografiert, gewogen, vermessen, mit Farbringen markiert und schließlich sofort wieder frei gelassen. So haben die Forscher die Möglichkeit, die Krähen voneinander zu unterscheiden und so bestimmte Individuen im Umgang mit anderen Krähen und beim Lösen kleinerer Aufgaben wie beispielsweise beim Öffnen von Schachteln zu beobachten. Die Ergebnisse dieser Studie sollen anschließend mit den Daten von Krähen aus dem schottischen Tiergarten von Edinburgh und anderen Populationen verglichen werden. Von der Erforschung der im Schönbrunner Tiergarten lebenden wilden Krähen versprechen sich die Wissenschaftler nützliche Erkenntnisse über das Verhalten dieser Vögel, die dabei helfen sollen, Rückzugsbereiche für die belästigten Zootiere zu schaffen oder den Krähen Alternativen zu bieten, so dass sie ihre störenden Gewohnheiten von selbst ablegen.
