Papageienschutz aktuell

Internet-Zeitung des Papageienschutz-Centrums Bremen e. V.

Ausgewilderte Weißkopfseeadler schaffen ökologischen Konflikt

Der Weißkopfseeadler, das Wappentier der Vereinigten Staaten von Amerika, war bis Mitte des 20. Jahrhunderts fast ausgerottet, da er jahrhundertelang als Schädling galt und daher in ganz Amerika gejagt wurde. In der Zwischenzeit haben sich die Bestände jedoch wieder erholt, da Weißkopfseeadler in verschiedenen Regionen der U.S.A. gezielt ausgewildert werden. Besonders auf den kalifornischen Kanalinseln sind in den letzten Jahren einige ausgesetzte Adler heimisch geworden und es sind weitere Auswilderungen erforderlich, um einen stabilen Bestand dieser Art zu erhalten. Weißkopfseeadler sind mit einer Körperlänge zwischen 70 und 90 cm und einer Flügelspannweite von 1,80 bis 2,30 m die größten Greifvögel Nordamerikas und ähneln in Aussehen und Lebensweise dem eurasischen Seeadler. Bevor die Verbreitung dieser Raubvögel durch menschliche Verfolgung in den U.S.A. hauptsächlich auf die Ost- und Westküste sowie Alaska reduziert wurde, kam er auf dem gesamten nordamerikanischen Festland vor. Die größte Population befindet sich mittlerweile in Alaska, die zweitgrößte in Florida aber auch weite Teile Kanadas sind mit Weißkopfseeadlern besiedelt, die vorzugsweise an Flüssen, Seen oder Küsten leben und sich überwiegend von Fischen und Seevögeln, seltener auch von Säugetieren ernähren. Forscher befürchten nun, dass sich die neuangesiedelten Greifvögel besonders auf den kalifornischen Kanalinseln zu einer Bedrohung für die dort einheimischen Tierarten entwickeln. Wissenschaftler fanden mit Hilfe von Isotopenanalysen, die sie bei etwa 20.000 Jahre alten Adlerknochen durchführten, heraus, dass der Vogel das Spektrum seiner Beutetiere im Laufe der Jahrtausende immer wieder verändert hat. So hat er sich auf den kalifornischen Kanalinseln zunächst jahrtausendelang hauptsächlich von Seevögeln ernährt, während er viel später um das Jahr 1850 auch Aas und vom Menschen eingeführte Tiere wie etwa Schafe in seinen Speiseplan mit aufnahm. Doch mittlerweile gibt es in dieser Inselregion keine Schafe mehr und auch die Seevögel-Bestände sind dort stark reduziert, so dass der anpassungsfähige Weißkopfseeadler auf neue Nahrungsquellen zurückgreift und so zur Gefahr für den bedrohten Insel-Graufuchs und die wenigen seltenen Seevögel wird oder auch mit Schadstoffen belastete Robben als Nahrung verwertet. “All diese Nahrungsquellen sind problematisch”, erklärte ein Wissenschaftler der Universität von Wyoming. “Das Robbenfleisch ist mit Schadstoffen belastet und die Population der Füchse und Seevögel sind auf einem kritischen Niveau”. Bei den Wiederansiedlungsaktionen auf den Kanalinseln muss das bestehende Risiko für die dort lebenden bedrohten Arten und für den Adler selbst also verstärkt berücksichtigt und der daraus resultierende ökologische Konflikt kurzfristig gelöst werden, um negative Entwicklungen im Bezug auf die Artenvielfalt der Inseln zu vermeiden.

Quelle: “Wappentier der USA könnte Ökosysteme gefährden”, Spiegel Online, 04.05.2010

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